Jede 4. Frau wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt (oder beides) durch aktuelle oder frühere Beziehungspartnerinnen oder -partner; in vielen Fällen suchen diese Frauen Ärztinnen und Ärzte auf (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2004). Sie sagen nicht immer, was ihnen geschehen ist, dennoch benötigen sie dringend Hilfe. Ärztinnen und Ärzte kommt hier eine verantwortungsvolle Schlüsselposition zu. Von Gewalt betroffene Frauen sehen in der Ärzteschaft einen wichtigen, oft ersten oder einzigen Ansprechpartner; hier spielt sicher die große Vertrauensbeziehung zwischen Ärztin/Arzt und Patientin eine Rolle. Die Betreuung von Gewaltopfern ist eine bedeutsame und sehr sensible Aufgabe, deren Wertigkeit in der oft einzigen Chance auf eine sachdienliche Befundsicherung, die Ansprache der Thematik und der Bahnung von Wegen in Hilfesysteme und letztlich in einen Ausstieg aus der gewaltbelasteten Lebenssituation liegt.
Um die Lösung dieser Frage geht es im Projekt M.I.G.G.. Gemeinsam mit Modellpraxen sollen Strategien für eine optimale, und dennoch in der Praxis machbare Betreuung von Gewaltopfern entwickelt werden. Durch praxisorientierte interaktive Fortbildungen, Erwerb von Handlungskompetenz, Struktur- und Arbeitshilfen und Entlastung durch ein adäquates regionales interdisziplinäres Netzwerk kann die Betreuung von Gewaltopfern in Praxen verbessert werden.
Das Projekt „Medizinische Intervention gegen Gewalt“ (M.I.G.G.) wird
durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
getragen und steht in Zusammenhang mit dem im September 2007 herausgegebenen
„Aktionsplan II der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen
Frauen“. Das Projekt wird in zwei Teilprojekten bearbeitet; eines der
Teilprojekte wird durch das Institut für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum
Düsseldorf geleitet; das zweite durch das Netzwerk GESINE im Ennepe-Ruhr-Kreis
und Signal e.V. aus Berlin.
Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Untersuchung zur Gewaltbelastung bei Frauen, die eine Betroffenheit von jeder 4. Frau (!) in Deutschland ergab (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2004), ist von einer hohen Repräsentanz von Frauen mit Gewalterfahrungen in den ärztlichen Praxen zu rechnen. Gewalt führt in starkem Maße zu Störungen der physischen und psychischen Gesundheit, sowohl in Form akuter als auch chronischer Erkrankungen. Zusätzlich sehen von Gewalt betroffene Frauen in der Ärzteschaft einen wichtigen, oft ersten oder einzigen Ansprechpartner; hier spielt sicher die große Vertrauensbeziehung zwischen Ärztin/Arzt und Patient eine Rolle. Jede Frau geht mindestens einmal, in der Regel mehrfach im Jahr zu ihrem Arzt oder Ärztin. Die Aufgabe der Ärzteschaft ist es durch Gewalt verursachte akute und chronische gesundheitliche Störungen zu erkennen, Patientinnen sensibel anzusprechen, Verletzungen „gerichtsfest” zu dokumentieren, für die medizinische Betreuung zu sorgen, zu beraten und in Hilfsnetzwerke zu vermitteln.
Mit Blick auf die gegebenen, meist knappen Ressourcen im Gesundheitssystem, die nur beschränkte zeitliche und finanzielle Verfügbarkeiten erlauben, sind die entsprechenden Aufgaben ohne Zweifel im Praxisalltag schwierig zu bewältigen.
Die Betreuung eines Gewaltopfers in einer Praxis wird immer dann optimal sein, wenn das Praxisteam optimal geschult ist und ein sinnhaftes Handlungskonzept vorhanden ist.